Geschichte

Die Besiedlung unserer Heimat

Über die Besiedlung unserer näheren Heimat fehlen für die Frühzeit schriftliche Überlieferungen. Deshalb lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wann sich die ersten Menschen hier angesiedelt haben. Es muss aber sehr lange vor Beginn der Zeitrechnung gewesen sein, weil man steinzeitliche Geräte in der Wipper, im Braunschwender Forst, am Birkberge und in der Wüstung Ellrode, sie befindet sich westlich von Braunschwende in einem Grunde in der Nähe des Ziegenberges, gefunden hat. Ein dort gefundenes Steinbeil sowie ein Klopfstein sind in das damalige Provinzialmuseum gekommen.

Dieser Vorhut unserer Kulturmenschen folgten die Kelten. Sie waren gewissermaßen die Vorläufer der Germanen und hatten ihr Hauptsiedlungsgebiet zwischen Elbe und Rhein. Das war in den letzten Jahrhunderten vor Beginn der Zeitrechnung.

In den ersten Jahrhunderten nach Beginn der Zeitrechnung wohnten hier die Hermunduren, aus denen sich u. a. zur Zeit der Völkerwanderung ein Königreich Thüringen entwickelte. Es erstreckte sich etwa von der Altmark bis zum Main und umfasste auch unser Gebiet. Die früheste Geschichte des Thüringer Reiches liegt völlig im Dunkeln. Etwas Genaueres erfahren wir erst durch den fränkischen Geschichtsschreiber Gregor von Tours. Er nennt als letzten König des Gesamtreiches der Thüringer „Bisino“. Sein Königsitz soll Bösenburg (Bisinons Burg?) gewesen sein. Nach seinem Tode wurde das Reich unter die 3 Söhne Baderich, Irminfried und Bertachar aufgeteilt und alles ging anfangs gut. Jahre später gerieten die Söhne um das Erbteil in Streit. Es kam im Jahre 531 zur Entscheidungsschlacht bei Burgscheidungen a. d. Unstrut.

Lachende Dritte waren die Franken, die Irminfried unterstützt hatten und dafür Land erhielten. Auch eine Schar Sachsen war daran beteiligt und erhielten als Dank ein Gebiet südlich der Wipper, das als Friesenfeld bekannt wurde. Als die Sachsen bald danach nach Italien zogen, holten sich die Franken, Schwaben und Hessen als Kolonisten ins Land. Die Schwaben siedelten nördlich der Wipper (Schwabengau) die Hessen südlich der Wipper (Hassegau), wobei sich das Friesenfeld eine zeitlang als Untergau behauptet haben mag. In diese Zeit fällt die Gründung der meisten Orte unserer Gegend. Überall, wo die Menschen an der Wipper und ihren Nebenbächen (Brumbach, Hasselbach) ein günstiges Plätzchen fanden, wurden Siedlungen in großer Zahl angelegt, die aber meist nur aus wenigen Hütten bestanden und größere Rodungen nicht erforderten. Als im 9. und 10. Jahrhundert die Bevölkerung zunahm und die freien Plätze meist besetzt waren, begann man, für die Siedlungsräume größere Waldstücke entweder mit der Axt zu roden oder mit dem Feuer zu schwenden.

In dieser Zeit haben viele der ersten Siedler ihre ungünstigen Plätze aufgegeben und sich größeren Orten angeschlossen, wo sie bessere Lebensumstände, aber auch besseren Schutz fanden. An diese „Wüstungen“ erinnern heute nur noch wenige Flurbezeichnungen oder Forstorte. Dr. Schotte hat in seiner Chronik 46 Wüstungen für unsere engere Heimat nachgewiesen.

Geschichtliche Entwicklung der Kommune

Ein urkundlich nachgewiesenes Gründungsjahr kann für Wippra nicht angegeben werden. Das Landesmuseum Halle ist der Ansicht, dass das Dorf älter als die Burg ist und setzte die Gründungszeit zwischen 830 und 850 an.

Auf sicheren Boden kommen wir erst nachdem Karl der Große im Jahre 777 der Abtei Hersfeld den Kirchenzehnten im Friesenfeld verliehen hatte. In diesem Verzeichnis standen 3 Orte mit dem Namen Wipparacha I, II und III. Wipparacha I war die Wüstung Probstdorf (es lag etwa in der Mitte zwischen Wippra und Friesdorf in südöstlicher Richtung), Wipparacha II sollen die sogenannten Veitshöfe (etwa von der großen Brücke bis zur Selke) gewesen sein, und Wipparacha III soll sich zwischen Hayda und Wippra, etwa im Raakenbeek befunden haben. 

Mit dem Bau der Burg, zum Beginn des 11. Jahrhunderts, wurde die Grundherrschaft Wippra begründet. Die Edlen von Wippra saßen bis 1175 auf der Burg. Da keine männlichen Erben mehr vorhanden waren, ging das Erbe an die Tochter Kunigunde über. Sie heiratete Friedrich von Hackeborn. 1328 verkauften die Hackeborns die Burg an das Erzbistum Magdeburg. Nun war es über 100 Jahre Pfand- und Tauschobjekt. 1440 erwarben die Mansfelder Grafen zunächst 2/3 und 1443 auch die restlichen Teile. 1506 wurde es der Grundherrschaft Rammelburg, die die Mansfelder Grafen auch erworben hatten, unterstellt. Es ist nachgewiesen, dass unser Ort in dieser Zeit ein größeres Dorf war und gewissermaßen auch städtische Rechte besaß. So durfte das Burgherrengeschlecht der obenerwähnten Hackeborns im 13. Jahrhundert Münze schlagen.

In diesem Zeitabschnitt erwarb Wippra von der Gemeinde Quenstedt das Marktrecht und durfte sich fortan als Marktflecken bezeichnen.

Nachdem die Mansfelder Grafen im Jahre 1571 den Charakter einer selbstständigen Grafschaft verloren hatten, wurde ihr Besitz, zu dem auch das Amt Rammelburg gehörte, sequestiert und in die Hände der Hauptgläubiger gelegt, das war das Kurfürstentum Sachsen und das Erzstift Magdeburg, ab 1579 nur noch Kursachsen. Das ändert sich erst nach Napoleons Sieg über Preußen. Am 1. September 1807 wurde das Königreich Westfalen gebildet. Wippra wurde Kantonsort und umfasste folgende Orte:

  • Wippra mit Popperode und Hayda und die Fortshäuser Schiefergraben und Bodenschwende
  • Friesdorf mit Rammelburg und Biesenrode
  • Abberode mit Hermerode, Ritzgerode und Steinbrücken
  • Königerode
  • Brauschwende
  • Rotha mit Hilkenschwende, Neuhaus und Paßbruch
  • Leinungen mit Morungen
  • Dankerode

Nach dem Wiener Kongreß 1815 wurde aus den altpreußischen und den von Sachsen abgetrennten Gebieten die „Preußische Provinz Sachsen“. Der neugebildete Kreis war der „Mansfelder Gebirgskreis“.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde aus der ehemaligen „Preußischen Provinz Sachsen“ und dem ehemaligen „Freistaat Anhalt“ die „Provinz Sachsen Anhalt“, die 1947 in Land „Sachsen Anhalt“ umbenannt wurde. Im Zuge der Gebietsreform gehörte Wippra von 1950 bis 1952 zum Kreis Sangerhausen. Ab 1953 wurde aus dem ehemaligen „Mansfelder Gebirgskreis“ der Kreis Hettstedt gebildet. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde 1990 das Land Sachsen - Anhalt gebildet, seit 1994 gehören wir zum Landkreis „Mansfelder Land“ und ab 01. Juli 2007 zum Landkreis „Mansfeld Südharz“. Seit 01.01.2008 gehört Wippra als Ortsteil zur Stadt Sangerhausen.